Segenswünsche mit no

Moderator: Moderatoren

Post Reply
freudenkind
Posts: 4
Joined: Wed Jul 27 2011 20:28
Location: bei Lübeck

Segenswünsche mit no

Post by freudenkind »

Hallo ihr lieben Sprachgewandten! :)

Mein Herzallerliebster und ich wollen im Herbst heiraten und die Ringe sollen an das Design des "einen Rings" angelehnt sein. Da ich mich gegen die originale Inschrift gesträubt habe (von wegen knechten, is klar!), haben wir uns, angelehnt an irische Segenswünsche, zwei andere Phrasen ausgesucht:

1. Mögen die Sterne über dich wachen.
2. Möge das Glück dir gewogen sein.

Die erste radebrechene Übersetzung
1. No elenath sílar díriel anech. (~ Es sei die Sterne leuchten beschützend für dich.)
2. No i ngalu ardar gin. (~ Es sei das Glück verweile bei dir.)

Kann man "no" überhaupt zusätzlich zum sinntragenden Verb im Satz verwenden? Oder muss ich die Verben mit -weg adjektivieren? Ich hab das Wort als einleitende Phrase im Sinne von "was ich dir wünsche" verstanden. In der Grammatik steht allerdings: "Falls man wünscht, dass eine bestimmte Eigenschaft, ausgedrückt durch ein Adjektv, eintreten sollte, so stellt man no (sei) davor".
Dankbar wäre ich natürlich auch für Korrekturen bei den Begriffen und den Flektionen...

Die Vokabeln und die Grundzüge der Grammatik habe ich hier auf sindarin.de herausgesucht.
no - es sei
elenath - Sterne
síla díriel - leuchtet beschützend
anech - für dich
or - über
gin - dich (als Objekt)
him - andauernd, verweilend, fortwährend
galu - Glück
i - bestimmter Artikel
dar- - bleiben, anhalten, verharren
ar- - bei (Präfix)

Für den ersten Satz habe ich außerdem auf einer anderen Seite diese Übersetzung gefunden, die ich leider nicht sinnvoll rück-übersetzen kann:
May all stars shine upon your path - No in elenath hîlar nan hâd gîn.

Danke schon einmal für's Lesen!
*Tee und Kekse da lass*
User avatar
Eryniel Elmíris
Posts: 1533
Joined: Tue Jun 24 2008 19:51
Location: Ribobel / Rímdor

Post by Eryniel Elmíris »

Hallo freudenkind,

zunächst mal: Dein Satz von der Arwen-Undomiel Seite scheint mir dann doch aus Thorsten Renk's Sindarin Kurs "Pedin Edhellen" (I say / speak Elvish) zu sein:
S. 104
No galu govad gen. (May blessings go with you.)
No in elenath hílar nan râd gîn. (May all stars shine upon your path.)

Die Rückübersetzung ist folgendermaßen:
No (may it be that) in elenath (all the stars) hílar (sílar mutiert - they shine) nan (on) râd (path) gîn (your).

Das glaube ich beantwortet schon eine deiner Fragen: Ja, no kann durchaus mit einem Verb in einem Satz verwendet werden. Schließlich muss man ja mitteilen, was denn sein soll - außer bei dem implizierten "sein" (to be), wofür kein Verb genutzt wird. ;-)

Generell für einen ersten Versuch gar nicht schlecht. :)
Auch wenn ich dir nun Korrekturen gebe, möchte ich doch anmerken, dass ich selbst noch lerne, also warte bitte noch andere Meinungen ab.

Laut der Grammatik auf den sindarin.de Seiten wäre allerdings dem beliebten no wohl der vorangestellte Imperativ vorzuziehen, also Sílo díriel in elenath achen.

Bei deinem zweiten Satz ist mir das ardar nicht so ganz klar. Wenn du also die Präposition "bei" - die ich erst durch deine Übersetzung bei der sindarin.de Wortliste gefunden habe übrigens - dann anfügen willst, gäbe das meiner Meinung nach ar-dhar mit Liquid Mutation. Allerdings würde ich wieder den besser belegten vorangestellten Imperativ vorziehen: Ardharo galu gen.
Ailinel
Posts: 1715
Joined: Fri Mar 16 2007 11:53

Post by Ailinel »

In Ergänzung:
Das ar- ('near', 'by', 'beside') ist aus PE17:169.
Ich bin nicht sicher, ob ich es für eine Gravur verwenden würde, wegen der möglicherweise vorherrschenden bedeutungen 'outside', 'beside' (ebd.), vgl. auch 'without'.

Ein weiterer Vorschlag mit relativ gesicherter Grammatik: no vronadui i 'alu gín - 'möge dein Glück beständig sein' (galu von GAL- ist kein "Spezialfall").
freudenkind
Posts: 4
Joined: Wed Jul 27 2011 20:28
Location: bei Lübeck

Post by freudenkind »

Danke euch beiden! :D

Also muss ich mich wohl erst einmal entscheiden, ob ich mit "no" oder dem Optativ (könnte man das als Wunsch-Form bezeichenen?) beginnen möchte. Eleganter scheint mir diese zweite Form, wie Eryniel Elmíris vorgeschlagen hat, weil ja nicht das Adjektiv gewünscht wird, sondern die ganze Phrase. Zumindest bei dem dem Satz mit den Sternen.

Also: Sílo díriel in elenath achen. (Auf dass die Sterne beschützend über dir leuchten mögen. Bzw.: Die Sterne leuchten beschützend über dir. -> Wunsch)

"In" hatte ich weggelassen, aber das ist dann ja der bestimmte Artikel im Plural, weil die Sterne ja viele sind und damit kein einzigartiges Naturobjekt wie z.B. der Mond. Nachdenken hilft manchmal, Frau freudenkind. *vor die Stirn klopf*

Bei beständigem Glück kommt es ja mehr auf das Adjektiv an, da würde "no" doch passen. Den Präfix ar- möchte ich dann doch nicht verwenden, wenn der nicht gebräuchlich und dann auch noch missverständlich ist... Der Vorschlag von Ailinel gefällt mir gut:

No vronadui i 'alu gín. (Möge dein Glück beständig sein.)

Wirkt es komisch, wenn ich den zweiten Satz dann abweichend mit "no" formuliere? Was meint ihr?
Die beiden Sätze sollen entweder hintereinander (umlaufend) auf die Außenseite der Ringe oder alternativ ein Satz pro Ring (je nachdem, wie es in Tengwar gesetzt aussieht).
User avatar
Roman
Admin
Posts: 2054
Joined: Tue Mar 13 2007 13:27
Contact:

Post by Roman »

Also muss ich mich wohl erst einmal entscheiden, ob ich mit "no" oder dem Optativ (könnte man das als Wunsch-Form bezeichenen?) beginnen möchte. Eleganter scheint mir diese zweite Form, wie Eryniel Elmíris vorgeschlagen hat, weil ja nicht das Adjektiv gewünscht wird, sondern die ganze Phrase. Zumindest bei dem dem Satz mit den Sternen.
Elegant oder nicht, no ist eben nur zusammen mit Adjektiven attestiert. Die häufige Benutzung von no + Verb in Neo-Sindarin scheint mit das englische 'may' + Verb nachahmen zu wollen.
"In" hatte ich weggelassen, aber das ist dann ja der bestimmte Artikel im Plural, weil die Sterne ja viele sind und damit kein einzigartiges Naturobjekt wie z.B. der Mond. Nachdenken hilft manchmal, Frau freudenkind. *vor die Stirn klopf*
Naja, Tolkien verwendet das Wort ja eigentlich auch ohne Artikel: aglar elenath "Glanz der Sterne", aber das mag damit zusammenhängen, dass es in einem Gedicht verwendet wird, wo das Metrum wichtig ist.
No vronadui i 'alu gín. (Möge dein Glück beständig sein.)
In Anlehnung an Naur an edraith ammen könnte man auch einfach *Galu vronadui echin sagen.
freudenkind
Posts: 4
Joined: Wed Jul 27 2011 20:28
Location: bei Lübeck

Post by freudenkind »

Roman wrote:Elegant oder nicht, no ist eben nur zusammen mit Adjektiven attestiert.
So habe ich das auch verstanden, zur Not könnte man ja immer noch ein Verb zum Adjektiv umwandeln. Über die Analogie zu "Fire be for saving of us!" muss ich nochmal nachdenken bzw. -lesen, ob das wirklich wiedergibt, was ich sagen will.

Die beiden Sätze gefallen mir ansonsten schon recht gut. Lieben Dank euch nochmal! ;)
Jetzt mach ich mich dran, das Ganze provisorisch in Schriftzeichen zu setzen. Und später besuchen wir in Lübeck einen Goldschmied, der das eventuell gravieren kann.
Post Reply