Eru hilf!

Wo soll ich jetzt anfangen?
Was meinst du damit "...ausprobiert, bis es richtig war..." im Gegensatz zum Lernen? Natürlich muss man eine Fremdsprache lernen, um sie halbwegs zu beherrschen, es sei denn, man wächst bereits damit auf. Das dürfte bei Tolkiens Elbensprachen aber eher selten vorkommen. *g*
Und genau das ist auch der Grund, weshalb ich es "kann". (Wie auch immer man "können" bei Sprachen definieren möchte.) Ich habe mich vor einigen Jahren hingesetzt und habe Vokabeln und Grammatik gepaukt. Und ich lerne immer noch.
Herrje, wozu "braucht" man eine Sprache? Wozu lernen Leute Altägyptisch? Assyrisch, Gotisch, Altirisch oder Altnordisch? Oder Sprachen wie Manx, Gälisch, Retoromanisch? Selbstverständlich kann man immer argumentieren, moderne oder realexistente Sprachen - vorallem solche, die einen großen Anwenderkreis haben - hätten einen größeren "Nutzen", weil man sich damit vor Ort oder auch weltweit verständigen kann.
Natürlich empfinde ich es als angenehm, wenn ich in Italien die Speisekarte lesen oder in Timbuktu den Menschen am Flughafenschalter in Englisch nach meinem genauen Abflug fragen kann.
Aber es gibt (auch neben meiner Wenigkeit) viele Leute, die gerne tote Sprachen oder Kunstsprachen lernen, entweder um damit Quellen im Original besser verstehen zu können, um vielleicht selber Texte oder Gedichte darin zu verfassen, aus rein intellektueller Freude an der Struktur von Sprachen allgemein oder einfach aus linguistischem, wissenschaftlichem Interesse.
Bei mir ist es, denke ich ein bisschen von all diesen Gründen. Für mich ist der "Nutzen", also die intellektuelle und ästhetische Befriedigung, die ich aus dieser Tätigkeit gewinne, durchaus greifbar und entsprechend hoch. Andere Leute spielen Tennis oder lösen Kreuzworträtsel, einige schreiben Bücher und manche ballern bis zum Umfallen am PC auf imaginäre Gegner. Es ist eben alles Geschmackssache.
Und ja, Sindarin ist eine "richtige" Sprache mit Geschichte, Grammatik, einer Entwicklung und Vokabular. Allerdings keine vollständige. Tolkien hat ein Leben lang daran gearbeitet, aber es lag nicht in seiner Absicht, irgendwann einmal einem breiten Publikum eine "komplette" und fertige, "sprechbare" Sprache zu hinterlassen. Für ihn war das sein Hobby, ja mehr noch, sein "secret vice", wie er die Beschäftigung mit seinen Sprachen genannt hat.
Lass mich im Gegenzug einmal fragen: Warum hast du den Satz denn in Sindarin übersetzen wollen? Das muss doch auch einen Grund gehabt haben. Warum gerade Sindarin und nicht Kantonesisch? Wäre auch eine interessante Sprache.
Zu den technischen Fragen:
Die zwei i in dem Satz sind jeweils der direkte Artikel. Sindarin konstruiert (wenn es sich um Gegenstände oder Abstrakta handelt,) die Possessivphrase ein bisschen anders als das Deutsche.
Wir verwenden ein gebeugtes Possessivpronomen und stellen es direkt vor das dazugehörige Substantiv: Mein Tisch, deine Brille, sein/ihr Auto etc.
Sindarin stellt dagegen das Pronomen hinter das Substantiv und zusätzlich den direkten Artikel (der/die/das) davor. Das wäre wörtlich übersetzt dann: "der Tisch, meiner". Oder in deinem Fall: "Die Herzen, unsere". In diesem Punkt unterscheiden sich beide Sprachen eben etwas.
Im Fall von
pen ind gín ersetzt die Präposition den Artikel.
Und der Unterschied zwischen
i...vín und
i..nín liegt eben darin, dass die Person und damit auch der Numerus wechselt: Unsere Herzen - mein Herz.
Du kannst anstelle von
ind wie gesagt, auch gerne
faer (nicht fear) verwenden. Am Rest des Satzes ändert sich sonst nichts. Beide Wörter unterscheiden sich in Singular- und Pluralform nicht. Das ist nicht der Regelfall in Sindarin, kommt aber, wie man sieht, vor.
Wenn du dich für Sindarin interessierst, würde ich dir zum Nachschlagen die Grammatik auf unserer Einstiegsseite
Sindarin.de empfehlen. Auch die Wortlisten dort sind dank unseres nimmermüden Webmasters Roman seit kurzem wirklich brauchbar.
Solltest du den Drang verspüren, vielleicht auch mal mit Lernen anzufangen, gibt es einen sehr guten, kostenlosen Kurs von Thorsten Renk. Zu finden auf seiner Seite
Parma Tyelpelassiva. Heißt 'Pedin Edhellen'. Bitte die englische Version 3.0 verwenden, die vorhergehenden sind allesamt out of date.
Die im Handel erhältlichen Bücher taugen allesamt nicht viel bis gar nichts und ich könnte sie nicht wirklich guten Gewissens empfehlen.